Kühe

Jeden Morgen gegen 7:30 Uhr schlüpft Astrid in ihre Gummistiefel und macht sich auf den Weg zu unseren aktuell 11 Kühen und ihren 9 Kälbchen. Schon von weitem, ganz ohne Sichtkontakt, wird sie vom energischen Muhen der Leitkuh begrüßt, die auch die Herde darauf vorbereiten will, was gleich geschieht. Denn Astrids Erscheinen bedeutet für die Kühe „ab auf eine neue Weidefläche mit frischem Gras.“

Binnen kürzester Zeit haben die Tiere – übrigens eine alte Zweinutzungsrasse namens Schwarzbuntes Niederungsrind, das kein Hochleistungsfutter, sondern „einfach nur“ Wasser, Gras und Luft benötigt - verstanden, dass erst in ein paar schnellen Handgriffen der ausgeklügelte und gleichzeitig sehr reduzierte, mobile Elektrozaun versetzt, die Trinkstelle gesäubert und neu angeschlossen, und der salzige Leckstein an einen neuen schönen Ort gelegt wird, bevor es auf die seit etlichen Tagen unberührte Weidefläche geht. Während Astrids täglicher Routine zeichnet sich ein berührendes Bild: die Kühe stellen sich an der Stelle, an der sich der Zaun als erstes öffnet, völlig ruhig in Reih und Glied auf und stehen da geduldig still bis Astrids Ruf „Come cowies!“ über die Weide schallt. Dann aber kommt sofort Bewegung in die Herde - und wie. Manch eine macht Freudensprünge, andere senken sofort ihre Köpfe in das frische Gras.

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Hinter diesem harmonischen Zusammenspiel von Mensch, Tier und Natur steckt Methode, eine, die auf dem ganzheitlichen Weidemanagement nach Allan Savory basiert. Jener folgend bleiben die Kühe immer nur einen Tag auf einer Weide. Das Gras wird dadurch nicht ganz heruntergefressen und kann somit ein tiefgehendes Wurzelwerk entwickeln. Dort im Boden entsteht dann durch vielfältige, mikroorganische Prozesse eine Vitalität, die das Gras so sehr stärkt, dass es selbst in trockenen Jahren grün und frisch nachwächst. Unsere Tiere haben somit immer eine gänzlich natürliche und gesunde Nahrungsquelle, was wiederum eines Tages uns Menschen in Form von gesundem, vitalem Fleisch zugutekommen kann.

Apropos Nahrungsquelle: im Gegensatz zu herkömmlichen Haltungsweisen von Kühen und ihrem Nachwuchs, der hier meist nach wenigen Tagen vom Muttertier entwöhnt wird, dürfen unsere Kälber viele Monate lang so viel Milch bei ihrer Mutter trinken, wie sie wollen. Wie gut ihnen das tut, sieht man auf den allerersten Blick: wie ihre Mütter strotzen sie vor Gesundheit und nehmen ordentlich zu!